16. Dezember, 2019

Rückblick auf meine Reise nach Singapur

von e-invoicing Trends, Digitalization, Business Network, E-invoicing

Beginnen wir damit, warum ich nach Singapur gereist bin. Es gab einen Exchange Summit, der eigentlich der erste seiner Art in Asien war. Und darüber hinaus hatte auch OpenPeppol seine Sitzung des Management Committee.

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Diesmal möchte ich mit Ihnen meine Gedanken und Reflexionen zu meinem ersten Besuch in Singapur teilen. Und obwohl es ein atemberaubender und schöner Ort ist, den man besuchen kann, möchte ich mich in diesem Blogbeitrag auf E-Invoicing konzentrieren.  Ich habe schon in meinen Beitrag "3 wichtige Schlussfolgerungen aus der Peppol-Generalversammlung" erwähnt, dass Singapur beschlossen hat, Peppol als landesweite Infrastruktur einzuführen, um die elektronischen Rechnungsstellung in Singapur zu erhöhen. Sie haben vielleicht auch gelesen, dass Australien und Neuseeland Singapurs Bestrebungen folgen und Peppol im Einsatz nehmen. Ich denke, man kann das recht gut zusammenfassen, bis zu dem Punkt, dass E-Invoicing weltweit ein hochaktuelles Thema ist. 

Beginnen wir damit, warum ich nach Singapur gereist bin? Es gab einen Exchange Summit, eigentlich den ersten seiner Art in Asien. Und darüber hinaus hatte auch OpenPeppol seine Sitzung des Management Committee. Auch fand das größte Fintech-Festival der Welt statt: SFF x SWITCH (Singapore Fintech Festival und Singapore Week of Innovation and Technology).

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen einige Highlights und Überlegungen zu diesen Ereignissen näher bringen.  

  1. E-Invoicing ist in den ASEAN-Ländern ein brandaktuelles Thema. Es gibt viele Länder, die über die Einführung von E-Invoicing-Lösungen nachdenken, wie Malaysia, Vietnam und die Philippinen. Dann gibt es noch Indien, wo die Geschichte der Schließung der Mehrwertsteuerlücke mit Continuous Transaction Control (CTC-Modell) so spannend ist. Einige Länder werden früher oder später mit E-Invoicing beginnen, aber schließlich werden die meisten von ihnen die eine oder andere Form von CTC verwenden.  Meine einzige Hoffnung ist, dass nicht alle von ihnen einen eigenständigen Weg finden werden, dies zu tun. Dies ist erforderlich, um Diskrepanzen zu vermeiden. Und wir sollten auch die ursprünglichen Gründe für die Umstellung auf E-Invoicing im Hinterkopf behalten: E-Invoicing war ein Effizienzinstrument und kein einziges fiskalpolitisches Instrument, OpenPeppol stellte seine Vision vor, wie CTC zusammen mit Peppol betrieben werden kann. Auf diese Weise wären beide Vorhaben erreichbar - die Schließung der Mehrwertsteuerlücke für die Länder und die Effizienz im Wirtschaftsumfeld.
  2. Haben Sie schon einmal von einer Mehrwertsteuer-Lotterie gehört? In Taiwan tut der Staat etwas, was Portugal in Europa bereits getan hat. Um die Schattenwirtschaft zu verringern, motiviert die taiwanesische Regierung die Verbraucher, für jeden Kauf eine Quittung zu verlangen. Alle Belege werden in einem zentralen System registriert, das von der Steuerbehörde bereitgestellt wird, und jeden Monat gibt es buchstäblich eine Lotterie, bei der 3% der gesammelten Mehrwertsteuereinnahmen unter ausgewählten Beleginhabern verteilt werden. Es gibt Hauptpreise, wo die Belegnummer zu 100% übereinstimmt sowie kleinere Preise. Das alles sorgt für viel Aufsehen. Auch Südkorea hat in den Jahren 2011-2015 etwas Vergleichbares unternommen, aber nachdem es das Ziel erreicht hatte, wurde das Spiel danach beendet. Was die elektronischen Belege, die Bedeutung der KMU und den potenziellen Erfolg der Digitalisierung betrifft, so erinnert mich das an Bruno Koch, der eine recht deutliche Prognose gab, dass bis 2035 im Vergleich zu elektronischen Rechnungen 2,5-mal mehr elektronische Belege in der B2B-Welt im Umlauf sein werden.

E-Invoicing ist das Thema, das ich ständig im Auge behalte, aber diesmal war ich auch wirklich neugierig, wie sich andere Finanztechnologien in der Welt entwickeln. Hierfür hat sich ein Besuch auf der SFF x SWITCH angeboten, welche die größte Veranstaltung dieser Art weltweit ist. Obwohl nicht alle Themen auf der Veranstaltung mit Finanztechnologien zu tun haben, geht es immer noch um neue Technologien und es ist interessant, sich die Entwicklungen anzusehen. 60.000 Besucher, 1000 Aussteller, 500 Referenten aus insgesamt 130 Ländern kamen zu SFFxSWITCH - die Zahlen sind bemerkenswert.

Was waren die Schlagworte? 

Zahlungsverkehr war eindeutig das Wort, an das ich mich am meisten erinnere. Es gibt so viele verschiedene Zahlungsdienste, hauptsächlich in den Bereichen Consumer to Business (C2B) und Point of Sales (POS), aber auch im B2B-Bereich. Es scheint, dass jedes vernünftige Unternehmen heutzutage seine eigene Zahlungs-Applikation hat. Es gab sogar Lösungen und Knotenpunkte für die Zusammenführung verschiedener Zahlungsverkehrssysteme (PHOTO). Für mich hat es gezeigt, dass dies wirklich ein aufstrebender Markt mit einem ziemlichen Chaos ist, in dem jeder einen Anteil am Kuchen haben will. Früher oder später wird es jedoch höchstwahrscheinlich zu einer Art Konsolidierung kommen müssen. 

Künstliche Intelligenz war immer noch ein Top-Thema. Es wurde diskutiert, wie man das Beste aus dieser Technologie herausholen kann und Vorteile, nicht nur für einige Unternehmensbereiche zu schaffen, sondern Unternehmensweit. Auch gab es eine Menge Diskussion darüber, wie man KI so steuert, dass man eine menschenlesbare Begründung für die Entscheidungen hat und nicht mit einem Szenario, wie bei der Kreditkartenproblematik von Apple, bei der die KI dazu führte, dass weibliche Kunden niedrigere Kreditlimits erhalten als männliche Kunden. So kommentierte bereits Brad Peterson (CTO & CIO von Nasdaq):"AI is great but regulators would like to have the explain ability – if you decide something then you need to be able to explain why was this decision made." Den KI-Diskussionen zu folgen, war wirklich aufschlussreich  – Denn wo sonst kann man über KI besser diskutieren als in Singapur, dem einzigen Land der Welt, das eine landesweite KI-Strategie mit 500M$ Finanzierung im Jahr 2020 hat.

Alle sind sicher, dass diese Technologie die Welt verändern wird - und die allgemeine Einschätzung ist, dass es sich nur um eine Frge der Zeit handelt. Ich war erfreut zu hören, dass es in der Diskussion über Blockchain um Interoperabilität ging. Die Frage war, wie man Informationen durch verschiedene Blockchains nutzbar machen kann, ohne dabei Vertrauensverluste zu erleiden. Es war auch interessant zu erfahren, dass Bitcoin nicht der wichtigste Vertreter der Blockchain und nicht einmal die wichtigste Kryptowährung ist. Stattdessen hat Libra viel Aufmerksamkeit erhalten - brauchen wir eine einheitliche globale Währung für reibungslose 24/7-Zahlungen? Ist die Zeit für nationale Währungen und internationale Zahlungen über Banken vorbei?

Und dann gab es noch die Themen Nachhaltigkeit und Financial Inclusions, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung zogen. Wieder einmal passt dies gut zu Singapur, einem Land, das sich um die Umwelt kümmert und über eine hohe finanzielle Entwicklung verfügt. Leider ist das Leben nicht überall so schön wie in Singapur. Es gibt immer noch viele Menschen auf der ganzen Welt, die keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen und virtuellem Geld haben. Und ich spreche hier von Finanzdienstleistungen im Allgemeinen und nicht von Banken. In den letzten Jahren gab es 1,2 Milliarden Menschen, die Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten. Kenia und Indien waren das Vorbild, wo die wichtigste Rolle für das Wachstum dieser Zahl nicht von den Banken oder Internetbanken geleistet wurde, sondern durch mobile und persönliche ID. Wussten Sie in diesem Zusammenhang, dass die Zahl der Menschen, die noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen in der Welt haben, 1,7 Milliarden Menschen beträgt? Das sind mehr als 20% der Erdbevölkerung.

Schlussbetrachtung

Ich möchte meinen Blog mit ein paar Ideen aus einem der Vorträge beenden, an denen ich teilnehmen konnte. In diesen Vorträgen tauschten die Leiter der Spitzentechnologieunternehmen Brad Peterson, Kurt DelBene (CDO von Microsoft) und Parviz Peiravi (CTO von Intel) ihre Ideen zum Innovationsthemen aus. Globale Produktinnovationen und lokale Anwendererfahrung sind wichtiger denn je. Wie kann man das erreichen? Sie müssen das gesamte Unternehmen für die Innovation begeistern. Das wird die Motivation und Entfaltung von Talenten fördern, denn der Fachkräftemangel ist eine der dringlichsten Herausforderungen. In einigen Städten oder Regionen wie der Nasdaq in Schweden in Umeå ist es von Vorteil, der Top-Arbeitgeber zu sein. Es spielt keine Rolle, in welchem Land sie sich befindet, aber junge Talente sind überall zu finden. Ein weiterer guter Punkt ist die bekannte Geschichte über den Produktlebenszyklus. Es ist wichtig, ein Ausgleich zwischen Neu und Alt in Ihrem Portfolio herzustellen, und obwohl es schwierig ist, ein bereits erfolgreiches Produkt zu modernisieren, muss man es manchmal einfach tun, oder jemand anderes wird es tun.

Ich freue mich darauf, unseren Einkaufsleiter zu finden und ihn mit den Worten von Brad Petersen herauszufordern, dass eine stabile und begrenzte Lieferantenbasis für unsere Organisation von Vorteil ist. " Es ist wichtig, sich jedes Jahr die Anzahl ihrer Lieferanten anzusehen und wer sie sind, denn wenn sich diese Basis nicht ändert, ist es ein klares Signal, dass Sie Ihr Angebot nicht weiterentwickeln, da niemand heutzutage allein nicht in der Lage ist, Innovationen zu realisieren." 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

Ahti Allikas

Ahti Allikas
Ahti Allikas ist seit 2000 in der E-Invoicing-Branche aktiv. Bei OpusCapita bekleidet er derzeit die Position des Head of Partners and Networks und ist für die Weiterentwicklung des E-Invoicing-Ökosystems verantwortlich. Er sitzt im Leitungsgremium des EESPA-Verbands (European E-invoicing Service Providers Association), vertritt OpusCapita in einem weiteren Verband, der OpenPEPPOL Association, und hat sich vor kurzem auch dem European Multi-Stakeholder Forum on E-Invoicing (EMSFEI) angeschlossen.

 

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