22. August, 2019

Peppol und Überlegungen zur Zukunft des elektronischen Datenaustauschs

von PEPPOL, Business Network

Gerne möchte ich die Gelegenheit nutzen und reflektieren, warum wir als Unternehmen beschlossen haben, ein Peppol-Dienstleister zu werden und wie diese Reise verlief. Anders ausgedrückt, möchte ich Ihnen einen Blick hinter die Kulissen unserer Peppol-Entdeckungsreise gewähren.

Unsere Peppol-Entdeckungsreise

Ich hoffe, dass Ihnen die Einblicke bei Ihrer Reise in die Welt von E-Invoicing unterstützt und Hinweise gibt, worauf Sie bei einem Dienstleister achten sollten.

OpusCapita verarbeitet hunderte von Millionen an elektronischen Transaktionen pro Jahr über unser Business Network und wir unterstützen sowohl Käufer als auch Verkäufer bei ihren Bemühungen, den globalen Handel zu digitalisieren. Und Peppol stellt bei unserer Umsetzungsstrategie einen Eckpfeiler dar.

OpusCapita ist ein Peppol-Dienstleister

Peppol-Dienstleister sind mit Geschäftssystemen von Organisationen vernetzt, die elektronische Geschäftsdokumente senden und empfangen. Dazu nutzen sie ein 'Four-Corners'-Modell.

Wie sieht das in der Praxis aus? Im Peppol-Modell haben wir Corner 1, das sind Organisationen, die elektronische Geschäftsdokumente über ihren Peppol-Dienstleister (Corner 2) senden, der das Dokument dann sicher an den Peppol-Dienstleister (Corner 3) sendet, den die empfangende Organisation (Corner 4) verwendet. Corner 2 nimmt das Dokument aus den Geschäftssystemen des Senders und Corner 3 platziert diese Dokumente in das Geschäftssystem des Empfängers. Klingt recht kompliziert, bedeutet aber, dass ein sicheres Netzwerk vorhanden ist, in dem verschiedene Dienstleister elektronische Nachrichten senden und empfangen.

OpusCapita ist ein zertifizierter Peppol-Zugangspunkt und überträgt die Geschäftsdokumente seiner Kunden sicher innerhalb des Netzwerks.

Warum hat OpusCapita den Zugangspunkt eingerichtet?

Es begann 2012, als die norwegische Regierung die Verwendung des Peppol eDelivery-Netzwerks zum Senden von Rechnungen an den öffentlichen Sektor zwingend vorschrieb. OpusCapita hatte (und hat selbstverständlich immer noch) Kunden in Norwegen und wir mussten eine Methode finden, um unseren Kunden die Möglichkeit zur Rechnungsstellung an den öffentlichen Sektor zu geben. Die Einrichtung eines Peppol-Zugangspunkts war natürlich die Lösung, auch wenn das einfacher gesagt als getan ist, denn anfangs war der Weg sehr holprig.

Aller Anfang ist schwer

Oder sollte ich eher sagen jeder Anfang ist eine Herausforderung, dessen Schwierigkeiten und Stolpersteine entlang der Reise es zu bewältigen gilt. 2012 war Peppol für alle neu. Difi (die norwegische Peppol-Behörde) stellte zwar einiges Begleitmaterial und Software zur Verfügung, doch es gab noch viele offene Fragen. OpusCapita lancierte seine erste Version des Peppol-Zugangspunkts im Mai 2012.

Seither hat OpusCapita kontinuierlich Upgrades am Service durchgeführt. Der OpusCapita-Zugangspunkt nutzt die von Difi bereitgestellten Open-Source-Bibliotheken, doch wurden noch viele weitere Komponenten dazu entwickelt. Der Peppol-Zugangspunkt ist auf drei Nachrichtenübermittlungs-Plattformen abgestimmt, auf denen OpusCapita verschiedene Konversions-, Routing- und Validierungsdienste für unsere Kunden ausführt.

Heutzutage sind sehr viel Wissen, Erfahrung und Support auf dem Markt erhältlich, mit denen die Einrichtung eines Zugangspunkts viel leichter gemacht wird.

Mehr als nur E-Invoicing

Wie ich oben schon erwähnt habe, ermöglicht Peppol die Transaktion von elektronischen Nachrichten zwischen verschiedenen Instanzen. Genau hier hat sich Peppol als hilfreich für uns erwiesen, da wir das PEPPOL-Netzwerk für den Empfang und das Senden mehrerer verschiedener Nachrichtentypen im Auftrag unserer Kunden verwenden. Rechnungen machen zwar den Großteil des Datenverkehrs aus, doch tauschen wir auch Bestellanforderungen, Nachrichten für Auftragsbestätigungen und Kataloge innerhalb des Netzwerks aus. Es ist vorgesehen, in naher Zukunft Nachrichtenübermittlungen für Rechnungen umzusetzen, mit denen Sender eine Empfangsbestätigung erhalten.

Ein Peppol-Netzwerk, das alle beherrscht?

Die Tatsache, dass Peppol die Transaktion jeder elektronischen Nachricht ermöglicht, ist ein großer Erfolgsfaktor. Und man könnte die Frage stellen, ob sich Peppol wohl zu einem Netzwerk mit weltweiter Marktdurchdringung entwickeln wird.

Im März sprachen wir im Blog schon über das Thema, dass sich Peppol möglicherweise weltweit durchsetzen wird. Ich kann Ihnen sagen, dass wir bei OpusCapita zwar ursprünglich in Norwegen begonnen haben Peppol anzubieten, nun aber das Netzwerk Kunden in mehreren Ländern zur Verfügung stellen. Heute haben wir Kunden in mehr als 15 Ländern, wie z.B. Schweden, Finnland, Deutschland, die Niederlande und Österreich. Alle diese Länder nutzen das Peppol eDelivery-Netzwerk für den Nachrichtenverkehr mit ihren Geschäftspartnern. OpusCapita hat über 3.500 Kunden, die Dokumente über das Peppol-Netzwerk entweder senden oder empfangen.

Gleichwohl liegt die Anzahl der über das PEPPOL-Netzwerk heute ausgetauschten Dokumente immer noch bei lediglich rund 5 % des gesamten Transaktionsverkehrsvolumens. Wir müssen Peppol also die Zeit zum Wachsen geben.

Sehen wir uns zuerst die Vorteile an

Es gibt viele Vorteile, doch der wichtigste Vorteil besteht darin, dass es ein organisch wachsendes Ökosystem bereitstellt. Es ist relativ einfach, eine Verbindung zu anderen und neuen Dienstleistern herzustellen, da die Hauptkomponenten für Interoperabilität, wie beispielsweise Infrastruktur, Syntax und Adressierung, in PEPPOL bereits gut standardisiert sind.

Das Peppol-Netzwerk verschafft OpusCapita-Kunden bessere Erreichbarkeit und in Anbetracht der Tatsache, dass die Verbindung zu zusätzlichen Dienstleistern einfach und schnell ist, macht es das Onboarding von ‚Long-Tail‘- Geschäftspartnern für den Kunden erschwinglicher. Es ist wichtig, dass der Austausch elektronischer Geschäftsdokumente für alle Organisationen zugänglich ist, egal wie groß oder klein diese sind.

Die Teilnahme am Peppol-Netzwerk bietet OpusCapita mehr Zeit und Ressourcen, um Mehrwertdienste für seine Kunden zu entwickeln, anstatt die bereits von Peppol entwickelten detaillierten Spezifikationen neu zu erfinden und mit den Partnern abzustimmen.

Es gibt aber auch Herausforderungen

Eine der Herausforderungen ist, dass auch wenn das Peppol-Netzwerk nahtlos zwischen Ländern funktionieren sollte, es dennoch verschiedene Peppol-Behörden in den Ländern gibt, die von Zeit zu Zeit länderspezifische Vorschriften und Anforderungen erstellen werden. Diese Anforderungen verlangen von Dienstleistern, verschiedene Geschäftsprozesse in ihren Systemen zu integrieren, was recht mühselig sein kann. Im Verlauf der Zeit werden jedoch diese Varianten vermehrt bei der Entwicklung entfallen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wir gehen davon aus, dass die Bedeutung von Peppol im Austausch von Geschäftsnachrichten bzw. -dokumenten in den kommenden Jahren ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnen wird. Peppol weitet seine Reichweite bereits über Europa hinaus aus und wird Zug um Zug weitere internationale Märkte bedienen. Demzufolge wird Peppol auch mehr internationale Dienstleister unterstützen. Mehr Länder werden sich wie Norwegen entwickeln, wo Peppol standardmäßig die landesweit akzeptierte Infrastruktur darstellt. Peppol wird nichtsdestotrotz weiterhin parallel zu anderen vorhandenen Infrastrukturen, die vergleichbare Dienste bieten, bestehen. Für OpusCapita wird Peppol weiterhin eine der Hauptinfrastrukturen sein, die den Asutausch von Dokumenten unterstützt - mit einer steigenden Bedeutung in der Zukunft.

Wir bei OpusCapita bieten Nachrichtenaustausch im Bereich Order-to-Cash (einschließlich das Senden von Rechnungen) und Purchase-to-Pay (einschließlich Empfang von Rechnungen) und unsere Kunden können das Peppol-Netzwerk für den Nachrichtenverkehr mit ihren Partnern verwenden. Wir bieten natürlich auch andere Optionen wie beispielsweise EESPA Network, bilaterales Dienstleister-Interoperabilitäts-Netzwerk, direkte EDI-Integrationen und selbstverständlich unser eigenes Supplier-Buyer Network an. Und das zeigt vielleicht auch die Herausforderung ein wenig.

Es wäre großartig, wenn wir unseren Kunden eine Einheitslösung bieten könnten. Wir müssen aber in der Lage sein, verschiedene Bedürfnisse unterzubringen, während die Bedarfe und Anforderungen auf dem Markt noch breit sind. Ich hoffe, dass sich der Markt selbst konsolidieren wird und die verschiedenen Netzwerke und Technologien stärkere Interoperabilität schaffen und es Kunden ermöglichen werden, die Vorteile einfach zu nutzen, ohne über die verschiedenen technischen Anforderungen nachdenken zu müssen. Im Grunde eine Welt, in der elektronische Geschäftsnachrichten genauso einfach ausgetauscht werden wie Textnachrichten. Schließlich denkt niemand über den Unterschied zwischen der Verwendung von WhatsApp, Apple Message oder Textnachricht usw. nach.

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Ahti Allikas

Ahti Allikas
Ahti Allikas ist seit 2000 in der E-Invoicing-Branche aktiv. Bei OpusCapita bekleidet er derzeit die Position des Head of Partners and Networks und ist für die Weiterentwicklung des E-Invoicing-Ökosystems verantwortlich. Er sitzt im Leitungsgremium des EESPA-Verbands (European E-invoicing Service Providers Association), vertritt OpusCapita in einem weiteren Verband, der OpenPEPPOL Association, und hat sich vor kurzem auch dem European Multi-Stakeholder Forum on E-Invoicing (EMSFEI) angeschlossen.

 

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